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Erfolgreiche Hochschulkooperation: Fünf Jahre Anwendungszentrum Kunststoffverarbeitung UNIpace


Die Stimmung war bestens, bei allen Beteiligten. Und das war auch kein Wunder. Vor fünf Jahren haben B. Braun und die Universität Kassel gemeinsam das Kunststoffanwendungszentrum UNIpace ins Leben gerufen. Am Donnerstag, 26. April 2018, wurde beim 54. Management Jour Fixe eine Zwischenbilanz gezogen – und die fiel rundum positiv aus. Eine „Win-win-win-Situation“ sei die Kooperation, sagte Dr. Oliver Grönlund, Vice President Development Center CoE IV Systems, der die Veranstaltung mit rund 130 Teilnehmern in der Melsunger Kulturfabrik moderierte. B. Braun habe Zugang zu einer richtungweisenden Technologie bekommen, die Hochschule ein neues Fachgebiet und die Studierenden die Möglichkeit, praxisorientiert zu lernen.

Prof. Dr. Hans-Peter Heim, Leiter des Fachgebiets Kunststofftechnik an der Uni Kassel, und UNIpace-Geschäftsführer Dr. Ralf-Urs Giesen stellten die Arbeit des Zentrums vor. Im Mittelpunkt stehe die Grundlagen- und Anwendungsforschung für einen Werkstoff, der wegen seiner Eigenschaften für die Medizintechnik besonders interessant ist: Flüssigsilikonkautschuk. Denn er ist weichmacherfrei, beständig gegen Hitze, Chemikalien und Umwelteinflüsse und nicht zuletzt: physiologisch unbedenklich. Und er mache es möglich, die aufwendige manuelle Montage von Bauteilen – etwa bei Infusionspumpen – durch ein automatisches Spritzverfahren zu ersetzen.

Rund 1,3 Millionen Euro wurden in das UNIpace bereits investiert. „Wir haben da Labore stehen, die weltweit einmalig sind in dieser Konzentration“, berichtete Prof. Heim. Zumindest in Deutschland gibt es keine vergleichbare Forschungseinrichtung. Genau das, sagte Juergen Stihl, Group Senior Vice President CoE IV Systems, sei auch der Grund gewesen, warum man die Silikon-Forschung zum Inhalt der strategischen Partnerschaft gemacht hat: „Wir wollten eine Exzellenzinitiative in diesem Bereich starten.“ Und man wollte nicht nur im eigenen Saft schmoren, sondern bewusst den Austausch mit anderen Unternehmen suchen, die ebenfalls mit UNIpace zusammenarbeiten. B. Braun-Vorstandsmitglied Markus Strotmann sprach von einer „Chance für B. Braun, anders an Dinge heranzugehen und Input von außen zu bekommen“. Das habe sich sehr bewährt.

Während B. Braun bei anderen Kunststoffbauteilen rund 90 Prozent selbst herstellt, stammt von den mehr als 80 derzeit verwendeten Silikonkomponenten erst ein einziges Teil aus eigener Produktion. Mithilfe der Forschung von UNIpace könnte sich das bald ändern. „Unser Ziel ist Insourcing“, sagte Michael Selk, Senior Vice President CoE Pain Control & CVC. „Die sehr erfolgreiche und sehr wertschöpfende Arbeit des Anwendungszentrums hat uns dabei einen Riesenschritt vorangebracht.“ So könnte bei der nächsten Generation der Infusionspumpe Easypump eine im UNIpace entwickelte Silikon-Spritzguss-Technologie zum Einsatz kommen, die die Zahl der Baugruppen massiv verringert. Und auch in anderen Bereichen könnten mit dieser Technik mehrere Funktionen in einem Bauteil verbunden werden – ein entscheidender Vorteil, wie Dr. Andreas Herold, Leiter des B. Braun Technology Center, betonte. „Das hilft uns, günstiger zu produzieren.“ Die erfolgreiche Kooperation mit UNIpace soll deshalb noch mindestens fünf Jahre weiterlaufen.